Station 3: Evangelium und Impuls // Ort: Herrmannstr. 24

Evangelium aus Johannes 15,1-8 (Neue Genfer Übersetzung)

1 »Ich bin der wahre Weinstock, und mein Vater ist der Weinbauer.

2 Jede Rebe an mir, die nicht Frucht trägt, schneidet er ab; eine Rebe aber, die Frucht trägt, schneidet er zurück; so reinigt er sie, damit sie noch mehr Frucht hervorbringt.

3 Ihr seid schon rein; ihr seid es aufgrund des Wortes, das ich euch verkündet habe.

4 Bleibt in mir, und ich werde in euch bleiben. Eine Rebe kann nicht aus sich selbst heraus Frucht hervorbringen; sie muss am Weinstock bleiben. Genauso wenig könnt ihr Frucht hervorbringen, wenn ihr nicht in mir bleibt.

5 Ich bin der Weinstock, und ihr seid die Reben. Wenn jemand in mir bleibt und ich in ihm bleibe, trägt er reiche Frucht; ohne mich könnt ihr nichts tun.

6 Wenn jemand nicht in mir bleibt, geht es ihm wie der ´unfruchtbaren` Rebe: Er wird weggeworfen und verdorrt. Die verdorrten Reben werden zusammengelesen und ins Feuer geworfen, wo sie verbrennen.

7 Wenn ihr in mir bleibt und meine Worte in euch bleiben, könnt ihr bitten, um was ihr wollt: Eure Bitte wird erfüllt werden.

8 Dadurch, dass ihr reiche Frucht tragt und euch als meine Jünger erweist, wird die Herrlichkeit meines Vaters offenbart.«

Impuls

Liebe Gemeinde,

In unserem Evangeliumstext wird Gott als „Weingärtner“ beschrieben, der sich um seinen Weinberg kümmert. Er schneidet zurück, wo es notwendig ist und kümmert sich um seine Pflanzen, damit sie gute Frucht bringen. Und diese Frucht ist klar beschrieben. „Ich bin der Weinstock, und ihr seid die Reben. Wenn jemand in mir bleibt und ich in ihm bleibe, trägt er reiche Frucht.“ - das sagt Jesus Christus zu seinen Jüngern.

Mir fallen an diesem Bild drei Dinge auf.

1. Ein Weinstock kann nichts tun, ohne seine Reben. Er besteht nur aus Stamm und Ästen. Im Winter wirkt er gar wie tot. Nein, so ein Weinstock wäre nichts wert ohne seine Reben. Aber auch die Reben sind nichts ohne den Weinstock. Frucht bringen können Sie nur, wenn sie mit ihm verbunden sind. Sie sprießen aus dem Weinstock hervor. Wenn die Reben im Frühjahr wachsen, dann umschließen sie den Weinstock mit Blättern. Und später bringen Sie dann die schönen Weintrauben hervor, die uns Menschen dann viel Freude bringen.

Weinstock und Rebe sind also untrennbar miteinander verbunden. Dieses Bild gilt - so glaube ich - auch für uns als Christinnen und Christen. Was wären wir ohne Jesus Christus, ohne seine Worte, ohne seinen Tod und seine Auferstehung, die wir gerade gefeiert haben. All dies ist die Grundlage unseres Glaubens. Und Jesus weiss, dass ohne seine Jüngerinnen und Jünger seine Botschaft wohl schnell vergessen worden wäre. Sie waren es, die die Botschaft in alle Welt herausgetragen haben. Es ist also klar, wir können nicht ohne ihn und er kann nicht ohne uns.

2. Wie bleiben wir mit Christus verbunden? Gerade in diesen Zeiten stellt sich die Frage wieder neu. Es gibt keinen regelmäßigen Gottesdienst in der Kirche, Gemeindegruppen finden nicht mehr statt. Wo also soll diese Verbindung herkommen?

Ich glaube, diese Corona Zeit ist eine Chance, dass wir diese Verbindung zu Christus ganz neu entdecken. Hätten Sie gedacht, dass Sie mal einen Spaziergangs-Gottesdienst feiern? Und selbst, wenn Sie merken, dass das nicht Ihre Form ist, dann gibt es vielleicht anderes, was uns in unserem Glauben stärkt. Das lesen der Losungen, eine Kerze anzünden und ein Gebet sprechen, Zeiten der Stille oder das hören von Online-Predigten. Nur, weil Corona ist, ist die Verbindung nicht unterbrochen. Wir müssen sie nur für uns neu definieren. Das mag uns an mancher Stelle vielleicht auch ein bisschen herausfordern, aber wir können vielleicht auch ganz neue Dinge entdecken.

3. Welche Frucht ist es, die wir bringen sollen? Geht es hier um etwas zum anfassen? Wie vielen Menschen wir von Jesus erzählt haben oder wie viel Geld wir der Kirche spenden? Ich glaube nicht. Ja, es geht um das Evangelium. Um die gute Botschaft Gottes. Und Frucht bringen wir dort, wo sie in unserem Leben präsent wird. Das kann ganz klein sein. Ein gutes Wort, dass uns bestärkt. Ein Gebet, dass uns neue Hoffnung gibt. Dies kann geschehen, wenn wir anderen dieses Evangelium weitergeben. Wenn wir ihnen Mut machen, dass Gott uns - auch in dieser Zeit - nicht vergessen hat. Die Osterlichter-Aktion an Ostern wäre auch ein Beispiel. Es braucht nicht die großen Taten, sondern es reichen die kleinen, die etwas von der Liebe Gottes weitergeben. An andere oder an uns selbst.

Wenn Sie jetzt weitergehen, dann können Sie vielleicht über einige von den folgenden Fragen weiter nachdenken:

  • Warum ist es mir wichtig mit Jesus verbunden zu sein?
  • Wie kann ich meine Verbindung zu ihm in diesen Zeiten stärken?
  • Gibt es etwas, dass mir in dieser Verbindung fehlt? (Sie dürfen uns gerne einen Wunsch weitergeben, wir überlegen dann, ob wir zusätzliche Angebote schaffen können).
  • Wie kann ich Frucht bringen - für mich und für andere?

Ich wünsche Ihnen, dass Sie in diesen Zeiten Dinge finden, die Ihre Verbindung zum Weinstock Jesus Christus stärken. Dass sie Frucht bringen, sei es für sich selbst oder für andere. Und dass Gott sie behüten und begleiten möge durch diese Zeit hindurch.

Amen!

(Impuls von Vikar Terhorst)

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